Donnerstag, 22. September 2011

Symbol der Fruchtbarkeit oder
Brauchen Fische Badeanzüge?

Namhafte Künstler wie Matthias Holländer oder Markus Brenner setzten sich mit dem Thema „Fische“ auseinander – Ausstellung in Allensbach bis 31. Oktober 2011

Der Fisch ist ein uraltes Symbol. Vor allem ein christliches, das sich in biblischen Darstellungen häufig wiederfindet. Nun haben sich deutsche und schweizerische KünstlerInnen auf den Weg gemacht, ihre Sicht auf den Fisch aufzuzeigen. Wie ein Fisch im Wasser räkelt sich eine nackte Frau im See. Das Nass ist lila, rosa Blätter umgeben die auf dem Rücken liegende Badenixe. Ihr fröhliches Gesicht ist glasklar, das Wasser um sie herum verwirbelt. Das Ilfochrome stammt von Simone Kappeler. Die Schweizerin arbeitet seit 1979 freischaffend, publizierte Bücher (Omphalos, Diana, Auf dem Rücken des Sees) und stellte international aus. In „Aquarium“ zeigt Simone Kappeler selbst aufgezogene Fische im Aquarium. Pastellige, pudrige, samtige, weiche Töne in Grün, Blau, Rot mit schrillem Giftgrün verleihen das Gefühl eines gemächlichen Dahingleitens im Wasser. Schwerelos. Verspielt. Zwei der Unterwasserbewohner scheinen sich zu küssen.
Markus Brenner findet Fische nackt. In seiner Vorstellung tragen Fische Badeanzüge. Um sie „anzuziehen“, nimmt der gebürtige Friedrichshafener einiges auf sich. Markus Brenner kauft Stoffe ein und musste sich Fragen nach der Körbchengröße der Freundin gefallen lassen. Mittlerweile nimmt er Fischbilder in die Geschäfte mit, um sich Peinlichkeiten wie: „Egal, ist für einen Fisch“ zu ersparen. Damit nicht genug. Der Künstler besorgt sich beim Fischer seine Wunschforellen im halben Dutzend und legt sie auf Eis. Im Studio probiert er die Badeanzüge an. Für Brenner steht fest: „Nicht jedem Fisch steht jeder Badeanzug.“ Manchen gibt er sogar Namen, weil sie für ihn Individuen sind. Mit einer Großformatkamera fotografiert er. Danach wird gescannt, der weiße Hintergrund bearbeitet. Dabei erfährt der Fotograf beim Ausbelichten auch Momente des Schreckens. In seine Arbeit vermischen sich Freude mit Traurigkeit. Auf seinen Bildern wirken die Forellen in ihren Netzanzügen gestochen scharf und so, als ob sie immer schon so umher geschwommen seien. Sie sehen zum Greifen nah aus. Brenner gibt ihnen ein Gesicht, Würde. Seien Werke wurden bereits international in Glasgow, Neapel, Paris, Basel, Athen, St. Petersburg und New York präsentiert.
Johannes Dörflinger studierte Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe und an der Hochschule der Künste Berlin. Seine Exponate waren im Guggenheim Museum und im Metropolitan Museum of Art in New York zu bestaunen. Seine fast mystischen Bilder wirken weich, sanfte Übergänge sind in den archaischen Bildern zu finden. Dörflinger machte eine steile Karriere. 1969 war er Dozent für Malerei an der New York University.
Aus Terracotta sind die Fisch-Skulpturen von Werner Schlotter aus Schwenningen. Sie erinnern an die Urzeit. Vielfach ausgezeichnet  wurde der bei Zürich aufgewachsene Matthias Holländer. Er studierte Malerei in Wien. Seine Exponate sind messerscharfe Schwarzweiß-Fotos von Fischpräparaten aus historischen Museen für Naturgeschichte und Anatomie. Durch seien Art, diese Exponate in Szene zu setzen, verleiht er ihnen Glanz, Würde und eine besondere Bedeutung. Diese Ausstellung macht bewusst: der Fisch ist mehr, als nur ein Leckerbissen zum Essen. Bis 31. Oktober 2011 sind die Bilder und Skulpturen in Allensbach im Kultur- und Verkehrsbüro und im Foyer am Rathausplatz zu sehen.
© Corinna S. Heyn

Foto:
Markus Brenner, Fisch im Badeanzug.

Simone Kappeler, Im See.